Tough Mudder Süddeutschland

Zugegeben, diesmal fahren wir zum ersten Mal mit gemischten Gefühlen zu einem OCR. Schon bei der Anmeldung fällt negativ auf, dass Zuschauer ein Ticket kaufen müssen. Im Vorverkauf: 10 €, an der Tageskasse sogar 20€. Sorry, das ist ein No Go, so populär ist OCR dann doch noch nicht…Durch Infomails, die kurz vor der Veranstaltung losgeschickt werden, erfahren wir dann noch, dass wir gesonderte Parktickets kaufen müssen und dass trotz Angabe einer Wunschstartzeit jeder aus dem Team irgendwie in eine andere Startwelle gerutscht ist bzw. bei einigen der Beitritt zum Team vom System nicht registiert wurde. Letztendlich wird der Start im Team kein Problem sein, da eh nicht kontrolliert wird…

Trotzdem freuen wir uns auf den Lauf an sich und versuchen möglichst unvoreingenommen an den Start zu gehen. Wir machen uns am Sonntag auf nach Wassertrüdingen. Ca. 2 Stunden Fahrtzeit liegen vor uns und vergehen wie im Flug. Wir finden auf dem Gelände eines Supermarktes sofort einen Parkplatz und umgehen somit die 12,13€ Gebühr bzw. 25€ für VIP Parken (diese Parkplätze sind dann wohl näher am Eventgelände als die „günstigen“ Parkplätze…).

Die Abholung der Startunterlagen funktioniert reibungslos. Auch die Gepäckabgabe geht zügig, kostet aber erneut Geld (3€). Das müsste schon allein deshalb nicht sein, da man somit mehr Wartezeit generiert.

Heute starten Claudia und ich (Mike) mal nicht als Happy Spartans, bitte verzeiht es uns. Wir schließen uns heute mitTM-Start-1 Bekannten eines anderen Outdoor Fitnesskurses zusammen und stellen ein Team von 10 Leuten. Die meisten kommen aus München, doch auch 3 Mitstreiter aus Wiesbaden sind dabei. Alles in allem eine bunte Truppe, es verspricht lustig zu werden. Wir begeben uns in den Warm Up Bereich von dem es nach 10 Minuten aufwärmen dann weiter geht zum Start. Der Anheizer schwört uns ein und die Legionäre (mehrfach Tough Mudder) werden vorgestellt und bejubelt. In unserer Startgruppe ist sogar ein 13 facher Tough Mudder. Schon beeindruckend.

Der Startschuß fällt, wir laufen los. Das gesamte Team hat vereinbart stets zusammen zu bleiben, auf der Strecke klappt das zwar nicht immer, aber die Hindernisse bewältigen wir gemeinsam. Diese sind teils sehr weit voneinander entfernt, dafür ist aber die Strecke über Waldwege und kleinere Trails sehr abwechslungsreich.

Wir fordern uns stets gegenseitig heraus und ermutigen uns über den eigenen Schatten zu springen, zum Beispiel beim „Birth Canal“, einem Kriechhindernis bei dem man von oben durch eine wassergefüllte Plane platt gedrückt wird.

Der Aufbau aller Hindernisse wirkt sehr solide, hier sieht man das jahrelange Know How. Leider ist die Platzierung einer 3 Meter Wand hinter einem Schlammhindernis nicht wirklich glücklich gewählt. Das Holz ist extrem rutschig und man kann sich kaum halten. Doch auch dieses Hindernis schaffen alle durch Teamwork. Wenn man ein Hindernis nicht schafft oder auslässt, gibt es übrigens keine Strafen.

(c) Tough Mudder Quelle: https://toughmudder.de/obstacles

(c) Tough Mudder
Quelle: toughmudder.de/obstacles

Die Hindernis Klassiker kommen auch bei Tough Mudder eher zum Schluß, so müssen die Zuschauer nicht weit gehen. Vor uns steht „Pyramid Scheme“, dass zeitraubenste Hindernis das uns heute in den Weg gestellt wird. Eine glatte Schrägwand muss erklommen werden. Alleine fast nicht zu schaffen, es muss eine menschliche Pyramide gebaut werden. Dennis, Anett und ich bilden die Basis, über uns kommen noch Basti und Claudia. Bis alle 10 oben angekommen sind vergeht gefühlt locker eine halbe Stunde. Dank Bastis Stollenschuhe habe ich später ein schönes Muster in der Schulter.

Zwei Hindernisse gefallen uns besonders gut: The Block Ness Monster, ein Team- bzw. Gemeinschafts- Hindernis. Hier müssen große, drehbare Holzblöcke im Wasser überwunden werden.

(c) Tough Mudder Quelle: https://toughmudder.de/obstacles

(c) Tough Mudder
Quelle: toughmudder.de/obstacles

Ein paar Teilnehmer hängen sich an die Blöcke, der Rest dreht, so ist das Hindernis überhaupt kein Problem und macht riesig Spaß. Auch Funky Monkey 2.0, eine Monkey Bar Konstruktion mit Querstangen, Längsstangen und einem beweglichen Teil ist ein beeindruckendes Hindernis und an sich schon eine Herausforderung. Leider ist dieses direkt nach der Mud Mile aufgebaut. Die Stahlstangen sind komplett voll Matsch, so dass die meisten Mudder schon an den ersten Stangen scheitern.

Dem Ziel entgegen überwinden wir noch eine Halfpipe „Everest 2.0“, dann wird es noch mal schön nass als wir einen Fluß durchqueren. Das letzte Hindernis steht uns bevor, „Elektroschock Therapy“. Bei Stromhindernissen scheiden sich die Geister, muss das nun sein, oder nicht? Ist es die Überwindung die diesen Hindernissen die Berechtigung gibt in OCR Läufen aufgebaut zu werden? Ich habe diesmal das Glück keinen Stromschlag abzubekommen, aber es hat trotzdem einiges an Überwindung gekostet. Ich verstehe jeden der dieses Hindernis lieber auslässt, es ist definitiv keine Schande. Strom muss nicht sein. Irgendwie schade, dass genau dieses Hindernis das letzte im Kurs ist, so entsteht bei manch ambitionierterem Läufer das Gefühl nicht ordentlich gefinisht zu haben.

Nach etwas mehr als 4,5 Stunden läuft unser Team gesammelt  im Ziel ein und wir erhalten unser orangenes Stirnband. Wir sind stolz, dass wir als Team so gut zusammengewachsen sind und auf der Strecke viel Spaß hatten. Aber auch, dass jeder ein bisschen über sich Hinaus gewachsen ist. Sei es durch Überwindung von Höhen- oder Platzangst oder auch das Zurücklegen der bis jetzt längsten Laufstrecke. Aber irgendwas fehlt trotzdem…ach  ja, es gibt diesmal keine Medaille… das Bier und ein recht hochwertiges T-Shirt machen das aber wieder ein bisschen wett. Auf dem Start/Zielgelände ist reichlich für das leibliche Wohl gesorgt, somit fahren wir nicht mit leeren Mägen nach Hause.

Claudia-Mike-Finish2Fazit: Ich persönlich bin positiv überrascht. Hindernisse und Strecke waren fordernd, leider war unsere Startwelle etwas zu voll und wir mussten vor allem am Anfang mehr gehen als laufen. Falls ich nochmal starten sollte, dann ganz vorne in der Startwelle.

Da die größeren Hindernisse zum Schluß gruppiert aufgebaut waren sammelten sich hier recht viele Zuschauer, das habe ich persönlich so noch nicht gesehen, ein großer Pluspunkt.

Wofür Zuschauer eigentlich das Ticket kaufen sollten, war uns auf der Strecke nicht so ganz ersichtlich, da alles offen zugänglich war.