Spartan Race Köln 2015 – Der Bericht

Auch wenn Seneca eigentlich Römer und kein Spartaner war, fiel mir ausgerechnet sein Spruch „Sich selbst besiegen ist der schwerste Sieg“ ein, als ich, den Körper voller Schlamm, über 10 Kilometer schwerstes Terrain in den Beinen, erneut an einem Berg stand und einen Sandsack nach oben schleppte.

Danke, dass ihr meinen Bericht über das Spartan Race Köln 2015, Super Distanz lest!

Auf meinem persönlichen Ziel zur „Trifecta“ (alle drei Spartan Race Distanzen in einem Kalenderjahr) hatten wir als Team „Happy Spartans“ bereits die „Sprint“-Distanz beim Spartan Race in München absolviert, nun geht es für mich (diesmal leider alleine) mit der „Super“-Distanz weiter. Ich hatte mich für das Spartan Race in Köln entschieden, da es vom Termin her (27. Juni 2015) perfekt in meine Trainingsplanung passt und ich auf die Strecke im Bergischen Wiehl (ca. 40 Kilometer von Köln) sehr gespannt war. Dort sollte auf der Motorcross Rennbahn Bielstein das zweite Spartan Race Köln stattfinden.

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Die erste Herausforderung stellt sich mir, als ich versuche einen Parkplatz zu finden. Die freundlichen Spartan-Race-Helfer sagen mit, dass der Parkplatz leider nur über einen weitläufigen Umweg erreicht werden kann, was (wie ich mich nun erinnere) uns bereits im Vorfeld per Email mitgeteilt wurde. Kein Problem, ich habe genug Zeit eingeplant. Ich bin entspannt.

Es regnet, aber das ist eigentlich egal, da ich sowieso nach wenigen Minuten nass sein werde, wie mir meine bisherigen Erfahrungen bei Spartan Races gezeigt haben. Die Registrierung ist hervorragend organisiert, ich brauche keine fünf Minuten um meine Unterlagen zu bekommen.

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Durch den Regen hat sich der Boden ziemlich aufgeweicht, der Schlamm ist tief und die Herausforderung steigt damit. Positiv ist, dass der Regen langsam aufhört und die Nässe zumindest von oben weniger wird.

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Soweit ich sehen kann, werden wir heute viele Höhenmeter zurücklegen dürfen und einige, für mich „neue“ Hindernisse warten auch schon. Besonders freue ich mich auf die Rutsche ins Schlammbecken!

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Pünktlich um 10:15 Uhr fällt der Startschuß und ich laufe, gemeinsam mit ca. 200 Spartanerkameraden los. Bereits nach wenigen Metern stecken wir schon knöcheltief im tiefen, schlammigen Morast und müssen über die ersten, schlammigen Berge laufen. Ganz egal ob Trailschuhe oder normale Laufschuhe, so zähem Schlamm ist kein Schuh gewachsen, und so rutschen wir bereits kräftig am Hang um die Wette!

Der Puls ist bereits schön weit oben, und das steigert sich noch, als es immer weiter bergauf geht! Das Laufen wird bei allen langsamer, die Höhenmeter machen sich bemerkbar. Über nasse Wiesen, durch matschige Löcher und lockeren Waldboden erreichen wir unsere Hindernisse. Erst Holzwände zum Überwinden, dann dürfen wir unter Stacheldraht robben und über schmale, glitschige Holzstämme balancieren. Blöd, dass mir das schon zu rutschig ist und ich meine ersten 30 Burpees machen muss (was ich aber bis zum Letzten Burpee durchziehe, wie sich das gehört).

Jeder kennt dieses Gefühl nach 30 Burpees und ich verstehe warum sich ein Team „Buck Furpees“ genannt hat.

Ich lerne schnell, dass das Runterlaufen eines Berges, so schön es auch ist, nur ein weiteres Ansteigen des nächsten Berges bedeutet. Die Oberschenkel und Waden brennen, aus dem Hochlaufen wird ein Hochkriechen. Bei einigen Bergen freuen sich meine Muskeln über Zusatzgewichte in Form abgesägter Baumstämme oder prall gefüllter Sandsäcke die sich auf meinen Schultern die Berge hoch und wieder runter schleppen lassen.

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Die auf dem Weg dazwischen liegenden Holzwände sind im Vergleich dazu eher eine willkommene Abwechslung als echte Hindernisse.

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Wieder vergeige ich den Speerwurf und wieder sind 30 harte Burpees fällig. Ich merke, dass sie mir immer schwerer fallen, aber Burpees sind Ehrensache!

Es sind leider nicht die letzten Burpees die ich machen muss, denn ich rutsche, nachdem ich fast ganz oben bin, an dem mit Schlamm getränkten Seil ab.

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Gut, dass ich beim Rest der Hindernisse keine größeren Probleme habe, denn nochmal 30 Burpees würden eine kaum zu nehmende Hürde darstellen.

Eine kleine Anmerkung zwischendurch: Bei einem Hindernis habe ich beobachtet wie eine kleine Gruppe „Spartaner“ einfach dran vorbeigelaufen ist und trotz Intervention der Spartan-Race-Helfer weder das Hindernis noch die 30 Burpees absolviert haben.

Es ist natürlich bei so vielen Startern nicht möglich sowas effektiv zu unterbinden, deshalb überhaupt keinen Vorwurf an die Helfer. Die haben ihr Bestes gegeben!

Aber solchen Leuten kann ich nur sagen „Schämt euch! Ihr macht das nur für euch, wieso betrügt ihr euch selbst?„. Mir tun solche Leute leid, denn wie schlimm muss es sein, wenn man so mit sich selbst umgeht! Wenn man mal einen Burpee weniger macht ist das ja noch vertretbar, aber eine solche Ignoranz von Regeln ist traurig!

Mir tun außerdem die Helfer total leid, denn was sollen die schon machen? Es sind hunderte Läufer und ganz wenige Helfer. Ich hab mich auf alle Fälle für diese „Möchtegernspartaner“ sehr fremdgeschämt!!!

Während ich immer noch versuche die zahllosen Höhenmeter zu bewältigen komme ich zu meinem Lieblingshindernis, der Rutsche! Es ist ein Genuß mit Schwung zu rutschen und durch den Schlamm gebremst zu werden. Aaaaahhh schön. Gut, der Kopf hätte jetzt nicht komplett in den Schlamm müssen, aber das war mein Fehler!

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Wir sind ganz nah am Ziel, aber unser Weg führt uns eine weitere, kilometerlange Schleife davon weg, erneut (wie sollte es anders sein) über viele Anstiege zu den nächsten Hindernissen. Jetzt denke ich an Seneca!

Ich behelfe meinem müden und geschundenen Körper indem ich mich auf kleine Teilstücke konzentriere die ich bewältigen muss. Bis zum nächsten dicken Baum, dann bis zum in der Ferne sichtbaren Hindernis, dann bis zum nächsten Matschloch und so weiter. Es klappt, ich nähere mich der Musik und den anfeuernden Rufen im Zielbereich. Nun laufen die Beine wie von selbst, vor allem weil es bergab geht!

Von der Seite werde ich gerufen und sehe mit großer Freude, dass Niki und Haider da sind! Ein super Gefühl! Es ist so schön, wenn man überraschend Menschen sieht die man gerne mag! Über ein Seilnetz klettern wir über das letzte Hindernis und ich sehe mit Freude nur noch das obligatorische Holfzeuer vor mir, dahinder das Ziel. Auch wenn meine rechte Wade schon einen Krampf hat, springe ich so gut es geht über die brennenden Holzscheite und bin im Ziel!

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Dort werde ich schon von Niki und Haider empfangen und ich bin total happy! Müde, aber sehr glücklich!

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Mission „blaue Spartan-Race-Super-Medaille“ ist erledigt, aber ganz ehrlich…. für die Langdistanz „Beast“ muss ich noch viel trainieren!

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Später lese ich, dass ich von über 1500 Startern auf Position 303 gelandet bin. Für mich ist das ein prima Ergebnis und ich kann das mit Stolz schreiben, denn ich habe sowohl an den Hindernissen geholfen als auch meine Burpees brav gemacht! Es ist also eine echte Platzierung!

Fazit:

Das Spartan Race in Köln Wiehl war eine sehr gelungene Veranstaltung mit viel Herz und guten Hindernissen. Die Strecke war sehr anspruchsvoll, vor allem bedingt durch die vielen Berge. Die Organisation war super und ich habe mich gefreut, dass diesmal auf Sicherheitsnadeln zum Befestigen der Startnummern verzichtet wurde. Das war eine super Idee und hat vielen Leuten Wunden, hervorgerufen durch diese Nadeln während des Robbens, erspart!

Wie geht es weiter?

Für die Trifecta-Medaille muss ich die Beast-Distanz schaffen, was anspruchsvoll wird, denn ich hatte das Gefül, bereits in Köln sehr nahe an meine Grenze zu kommen!

Als Vorbereitung für die Beast-Distanz habe ich mir einen Trainingsplan Spartan Race Beast erstellt. Diesen muss ich aber um Bergläufe ergänzen, denn ich fürchte die werden in Tirol nicht weniger….

Übrigens…. wer mit mir trainieren möchte ist herzlich eingeladen, denn natürlich habe ich die Bootcamps im Englischen Garten München in mein Training eingeplant. Meldet euch einfach!

Euer Uwe und stolzer „Happy Spartan“

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Noch ein paar Bilder vom Spartan Race Köln…

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