Spartan Race Beast Liberec

Ein verrücktes Wochenende steht Uwe und mir (Mike) bevor. Wir haben in diesem Jahr genug Spartan Races auf dem Buckel, sodass uns Beiden nur noch ein Beast fehlt zur Double Trifecta. Diese Chance wollen wir uns nicht entgehen lassen und machen uns daher am Freitag auf den Weg nach Liberec in Tschechien. Vor uns liegen knapp 500 km Strecke, begleitet werden wir von Elli, ihr Freund Robert wartet schon in der Pension auf uns.

Elli und Robert starten am Samstag bereits in der Früh, Uwe und ich erst um 10 Uhr. Die Organisation ist super, alles geht sehr schnell.  Wir treffen Bekannte und genießen die Atmosphäre

Zum ersten Mal werden wir nicht im Startbereich aufgeheizt, sondern davor auf einer Wiese und begeben uns erst danach in den Startbereich. Somit haben wir zwar mehr Platz zum aufwärmen, jedoch verläuft der Start dann leider ziemlich unscheinbar, denn es gibt keinen Startschuß.

Wie schon in Tirol versuchen wir zumindest am Anfang zusammen zu bleiben, doch als das Feld schon auf dem ersten Kilometer in schlammige Trails geleitet und es damit sehr eng wird, verliere ich Uwe aus den Augen. Den Rest der Strecke bin ich nun als Einzelkämpfer unterwegs. Bereits die ersten 10 Kilometer sind ein wahrer Kampf, die Hindernisse sind diesmal vollkommen anders aufgebaut, wie ich es sonst gewohnt bin, zum Beispiel schon bei Kilometer 4 der Rope Climb. Zuvor ging es noch zweimal durch einen See. Um den Start/Zielbereich darf ich dann innerhalb kürzester Zeit 3 mal Burpees machen, zuerst rutsche ich von den Pfählen ab, dann natürlich wieder beim Speer und zum ersten Mal auch beim Hercules Hoist, welcher hier wirklich abartig schwer ist. Meine Laune ist nach nicht mal 10 Kilometer am Boden. So brutal hätte ich es mir nicht vorgestellt. Als daraufhin auch noch der Bucket Carry mit einer wirklich fiesen Strecke zu bewältigen ist, denke ich das erste mal tatsächlich an aufgeben. Aber ich will die Double Trifecta! Zum Glück bleibt es heute bei den 90 Burpees.

Zu Beginn hatte Uwe noch berichtet, dass die Läufe in Osteuropa es scheinbar recht genau mit der Distanz nehmen, wir dachten also nicht, dass wir auf den Hausberg von Liberec, den Jeschken, hinauf müssen. Weit gefehlt! Es geht fast bis ganz rauf, Höhenmeter ohne Ende, teils über Skipisten oder unter Seilbahnen hinauf. Oben erwartet uns ein herrlicher Ausblick auf das Tal in dem Liberec liegt. Dann geht es schon direkt wieder extrem steil Bergab, aber nicht lang, die Skisprungschanze will auch noch kurz besichtigt werden, zumindest bis zu Schanzentisch. Dann geht es auf der anderen Seite auch wieder die Treppen runter. Was dann folgt toppt den Sandbag Carry von Tirol in Länge und Härte nochmal ordentlich. Der Sack ist locker 35-40 kg schwer und die Strecke doppelt so lang. Viele Teilnehmer müssen mehrmals absetzen, einige versuchen die Säcke zu beschädigen, damit diese Sand verlieren. Hier treffe ich auch wieder auf Elli, muss sie aber gleich wieder hinter mit lassen, da sie absetzen muss. Mein Blick geht stur in den Boden, ich setze einen Fuß vor den anderen und versuche stets in Bewegung zu bleiben. Der Gedanke den Sandsack abzusetzen wird verdrängt, das aufnehmen wäre zu anstrengend.

Es ist ein unglaublich schönes Gefühl endlich den Sandsack los zu sein, ich fühle mich als würde ich fliegen. Endlich geht es auch wieder grob Richtung Ziel. Ein weiterer Rope Climb, sowie eine Wand stehen uns noch im Weg, dann sind wir zumindest wieder in Hörweite des Startbereiches. Das nächste Hindernis ist meiner Meinung nach nur dazu da uns zu brechen … ein zweiter Sandsack, der gefühlt auch noch schwerer ist. Ich bekomme das Mistding kaum hoch und zu allem Überfluss knicke ich dann auch noch um, falle und der Sack walzt über meinen Kopf … aua! Zum Glück ist alles halb so wild und ich bin noch glücklicher als ich den Sandsack endlich wieder los bin. Dann geht alles recht schnell, das nächste Hindernis ist die Slippery Wall, danach noch ein Schlammloch, in welchem man tauchen muss. Dann stehen uns noch die a-monkeyA-Monkey-Bars im Weg.  Der Memory Recall ist schnell erledigt. Nun noch über eine letzte Wand und über das Feuer und dann endlich im Ziel … ich bin vollkommen im Arsch.

Robert erwartet mich schon und flitzt auch gleich wieder los um von Elli Fotos zu machen. Sie kommt fast zeitgleich mit Uwe im Ziel an.
Hinter uns liegen 28 Kilometer und 1800 Höhenmeter, gespickt mit 34 Hindernissen. Ein brutales Rennen, unsere Medaillen haben wir uns diesmal mehr als verdient.

Mit etwas Überzeugungsarbeit bekommen Uwe und ich dann auch noch unsere Double Trifecta Medaillen. Wenn wir uns früher per Mail gemeldet hätten wäre das einfacher von statten gegangen. Fürs nächste Mal wissen wirs.

Fazit: Wir wissen nun, ein Spartan Race Beast wird niemals einfach sein, doch der Kampf lohnt sich. Wir sind alle an unsere Grenzen gegangen und hatten auch grade deswegen wahnsinnig Spaß.

Leider muss Uwe direkt nach dem Rennen wieder nach Hause fahren und verpasst daher die herrliche Knoblauchsuppe am Abend in der Pension.  Ich mache mich mit Elli und Robert nach dem Frühstück am nächsten Morgen wieder auf den Rückweg. Möglicherweise kommen wir nächstes Jahr wieder um den Jeschken erneut zu bezwingen.

PS: Ich habe mich zusammen mit Claudia direkt am nächsten Tag auf nach Nürnberg zum Stadtlauf gemacht. Wie es uns dort erging könnt ihr hier lesen