Getting Tough The Race V 2016

Für uns – das waren am Anfang Uwe, Markus und ich (Mike) – sollte der Getting Tough in Rudolstadt, Thüringen der Abschluss der diesjährigen OCR Saison werden. Ein paar Wochen bevor es losging entschied sich auch Elli dazu mitzukommen, somit wären wir zu viert gewesen. Es kam leider anders und Uwe konnte krankheitsbedingt nicht starten.

Am Freitag Nachmittag machten wir und also auf den Weg nach Leutenberg wo wir unsere Zimmer bezogen und nach einem kurzen Abendessen versuchten zu schlafen.

Der Samstag empfing uns mit -7° und einer wunderschönen, weißen, Winterlandschaft … na das konnte ja was werden. Die 7 Sonnenstunden sollten uns nur mäßig entschädigen. Ein Parkplatz war schnell gefunden, auch die Startunterlagen waren schnell abgeholt, so blieb noch Zeit uns aufzuwärmen.

Zum Start  versammeln sich alle Teilnehmer auf der Festwiese und marschieren gemeinsam zum Startplatz, wo bereits die Feuerwehr und Massen an Zuschauern auf uns warten. Ich reihe mich ganz vorne ein. Der Startschuß fällt endlich gegen 10:30 Uhr und wir fetzen los, anders kann man es nicht beschreiben. Schon kurz hinter dem ersten Kriechhindernis wartet ein Wassergraben und ein sehr hoher und gefrorener Hügel. Alleine kaum zu schaffen, ich habe Glück, bekomme Hilfe und ziehe meinen Nachfolger auch noch mit hoch, doch kaum oben geht es wieder hinab, wieder in einen Wassergraben und rauf auf den nächsten Hügel.

Auf den folgenden knapp 20 Kilometern müssen wir einen Reifen schleppen, Gitter überspringen, Wände hochklettern, ab und zu ein Krabbelhindernis, sonst gibt es außer ein paar Höhenmetern relativ wenig was uns in den Weg gestellt wird. Das Tempo bleibt daher wahnsinnig hoch. Die Trails machen unglaublich Spaß und die Kälte ist kaum zu spüren.

GTTR-WassergrabenDoch dann kommen zurück auf die Wiese auf der wir gestartet sind. Ich erhalte ein gelbes Getting Tough Elite Armband, was mich als Top 250 Läufer identifizieren soll. Falls ich es mit dem Band ins Ziel schaffe und zudem auch noch unter den ersten 100 bin, erhalte ich eine Schwarze Version der Medaille, die “Black Pearl”.  Wir müssen erneut in die Wassergräben vom Start, doch diesmal komplett der Länge nach hindurch, also ca. 300 Meter. Die eisige Kälte schmerzt zu Anfang sehr, auf den letzten Metern wird es aber besser, da wir von den Zuschauer frenetisch angefeuert werden.

Was nun folgt ist eine Sturmbahn, also eine Hindernisbahn, wie sie auch von Armeen genutzt wird. Etwas kriechen, hangeln und klettern und wir sind durch, hierauf folgt das Schleppen eines Sandsackes über einen kleinen Rundkurs in dem uns auch noch große quer liegende Baumstämme den Weg versperren … fies.

Bis hierhin war die Strecke für mein Empfinden recht angenehm, doch das ändert sich jetzt schlagartig, denn es kommen Unmengen von Wasser ins Spiel. Das THW stellt uns zwei Wasserhindernisse in den Weg, zuerst muss in einer kleinen Wanne getaucht und dann ein Tunnel durchkrabbelt werden, hierbei kommen auch noch Unmengen Wasser von der Seite.

Dann ist es da, das Rudolstädter Schwimmbad. Insgesamt 6 Baumstämme müssen im Wasser untertaucht werden. Ich bin froh das ich meine Badekappe dabei habe. Unter äußerst kritischen Augen der Wasserwacht meistere ich dieses Hindernis und bin froh endlich aus dem Wasser zu sein. Doch jetzt heißt es hangeln und zwar an einer Stange der Länge nach übers Wasser. Ich nehme meine Beine zur Hilfe und bin zügig drüben. Wer ins Wasser fällt muss das restliche Stück schwimmen und auf der anderen Seite 30 Liegestütz machen.

Der darauffolgende “Parcour” macht mich stutzig, von Hindernissen ist hier nicht zu sprechen, außer vielleicht für Kleinkinder. Liegende Holzstämme und leere Bierkästen sind keine große Herausforderung. Die Kälte schmerzt in den Beinen, doch solange ich laufen kann ist das halb so wild, ich werde recht schnell wieder warm.

Es geht direkt zur Festwiese auf der die letzten knapp 100 Hindernisse warten, jedoch davor noch kurz durch die Saale und dann einen künstlich aufgebauten Wasserfall hinauf. Danach folgt ein Hindernis in dem Wasser von überall zu kommen scheint, ich verliere kurz die Orientierung und bin heilfroh als ich wieder draußen bin. Allerdings bin ich nun vollständig durchgefroren und habe kein längeres Laufstück mehr vor mir.

Ich spüre schon die ersten Krämpfe in den Beinen, welche an den folgenden Wänden sehr schmerzen werden. Es muss noch viel gekrabbelt werden, zum Teil unter Panzern, einer Yacht, Betonplatten und Netzen hindurch. Das Schlimmste für mich allerdings sind die unzähligen Traktorreifen. Ich habe kaum noch die Kraft mich hier hochzuziehen und bin wahnsinnig froh immer wieder Hilfe zu bekommen. Doch noch schlimmer wird es dann bei den Monkey Bars, bei meinem ersten Versuch rutsche ich schlagartig ab. Den zweiten Versuch ohne Handschuhe schaffe ich fast, doch dann verkrampfen mein Arm und meine Hand und ich muss aufgeben. Ich hätte zwar noch einen dritten Versuch, doch ohne die nötige Kraft bringt mir das nichts, daher gebe ich frustriert und wütend mein Band ab. Die kurz aufkommenden Zweifel sind jedoch schnell verflogen, ich will das jetzt noch durchziehen. Es folgen noch einige Schrägwände und Stahlkonstruktionen, die meine leichte Höhenangst wieder aufkeimen lassen, doch das Ziel ist nahe. Ich schleppe mich mit letzter Kraft, vollkommen unterkühlt und stark zitternd ins Ziel, hätte ich auf den letzten Metern nicht unzählige Male bei den einfachsten Hindernissen Hilfe bekommen, ich hätte wohl aufgegeben.

Den ersehnten heißen Tee kann ich kaum genießen, da ich so stark zu zittern angefangen habe, dass ich keinerlei Kontrolle mehr über mich habe. Auf dem Weg zur Gepäckabgabe kämpfe ich noch mit Schwindelgefühlen. Nur Dank der Hilfe einer netten alten Dame, welche mir beim aus- und anziehen hilft schaffe ich es überhaupt wieder etwas weniger zu zittern. Meine Rettung ist dann das Saunazelt in das ich von einem befreundeten OCR Läufer gesteckt werde.

Endlich einigermaßen klar bei Sinnen finde ich auch Markus wieder, er legte die insgesamt 24 Kilometer und 1000 Höhenmeter in etwas mehr als 3 Stunden zurück. Respekt Markus!

Wir kräftigen uns mit Pizza und Flammkuchen und warten, leicht in Sorge, auf Elli. Schließlich finde ich sie auf den letzten Hindernissen mit den selben Problemen konfrontiert, die ich auch hatte. Irgendwann kann man durch die Kälte nicht mehr greifen. Doch auch sie hat Glück und ein anderer Läufer hilft ihr über jedes Hindernis und hebt sie auch jedes mal wieder runter. Sven, falls du das liest, danke nochmal.

Wir schnappen uns Elli im Ziel, helfen ihr so schnell wir können beim umziehen und stecken sie in die 90 ° Sauna, erneut die Rettung.

Fazit: Getting Tough the Race ist zurecht das härteste und extremste Hindernisrennen Europas. Wären Strecke und Hindernisse anders aufgeteilt, es wäre alles halb so wild, doch in Kombination mit der Kälte war es das brutalste was ich jemals gemacht habe.

Und trotzdem werde ich wohl nächstes Jahr wieder am Start sein, dann mit meiner Frau Claudia, mit Uwe und im Ziel bestimmt auch mit der Black Pearl.

GTTR-finish